One Night in Bangkok, Part 1

Immer noch Samstag. Drei Stunden später.
Sonne. Geräusche vom geschäftigen Treiben auf dem Fluss. Mal gucken. Vorhang hochziehen. Fenster auf. Bumm! Fenster zu. Gucken. Toll hier.

Duschen. Im Hotelkiosk eine lonely planet map von Bangkok erstehen. Dann zum Frontdesk und sich die Hoteladresse in Thai-Script geben lassen, damit man wieder zurückkommen kann. Ziel auf der Karte aussuchen, ab auf die Straße und los. Hunger. Stimmt, ist ja schon 12 Stunden her. Aber ist ist ja alles voll mit Futter. Kein Problem.

Ich komme knappe 200m weit, werde von einem netten Thai als Farang-Anfänger identifiziert und angehalten. Er sei Student in Europa gewesen. Aha. Ich kriege eine Kurzeinweisung “Bangkok für dummies”. Hat mir wirklich geholfen. Er fragt, was ich denn in Bangkok eigentlich will. “Gucken”. Nee, gucken kann man woanders, an der Küste. Hier geht man shopping. “Wonach denn?” “Na, Maßanzüge, Juwelen oder das, woran man bei Bangkok als erstes denkt. Was soll’s denn sein, Anzug oder Edelstein?” Ich erkenne, dass ich anscheinend nicht in Kategorie drei einsortiert werde. Tröstlich. Andererseits, sehe ich sooo alt aus oder noch zu jung? (In Thailand gibt es Einreisevisa extra für Rentner. Gegen Rentenbescheinigung bei der Botschaft in Berlin.) Ob ich heute schon in eine Bangkoker Zeitung geguckt hätte? “Nee.” Also, das Jeweler Trade Center hat 20jähriges Jubiläum. Deshalb dürfen für drei Tage ausnahmsweise Nicht-Juweliere dort rein. Heute ist der letzte Tag. “You’re lucky.”, meint er. Ja, klingt gut. “Überleg’. Hmm, er hat wohl nichts mit dem Trade Center zu tun. Dafür ist’s zu weit entfernt. Ich seh’s ja an der Größe: bis 10 m2 (Davon gibt’s massenhaft Lädchen, erinnern mich sehr an Idar-Oberstein.) ist’s verdächtig, bei Trump-Tower geht’s wohl in Ordnung. Er meint, dass dort eine Regierungsbehörde die Geschäfte und vor allem die Steinqualität überwacht. Das hätte was mit Exportsteuern auf Steine aus inländischen Minen zu tun. Ich könne da absolut nichts falsch machen. (Douglas, wie war das mit “foolproof” noch gleich?) Ich solle mich auf Rubine und Saphire konzentrieren.
Er ruft mir ein Tuk-Tuk und erklärt dem Fahrer, wo ich hin soll. Dann handelt er mit ihm auch noch den Preis aus. “Live long and prosper” oder so meint er und ist weg. Nett, dieser Mensch, ich bin von den Socken. Ab ins Tuk-Tuk und zum Jeweler Trade Center.
Dort werde ich von Security beäugt und als eindeutiger Farang (also “mostly harmless”) ins Gebäude gelassen. Hier ist’s wie in der Edelsteinbörse Idar-Oberstein, nur mit Ausstellungsvitrinen. Na ja, eher Handelsschalter. Massenweise Schmuck. Ok, gucken. Wunderschöne Stücke dabei. Eine Chinesin fängt micht schließlich ab. Als sie mit mir durch ist, bin ich ärmer und glücklich. Nebenbei ist Weihnachten auch schon mal gesichert. Beim ersten Stück, für das ich mich entscheide, fummele ich noch meine Kreditkarte aus dem Brustbeutel. D.h., ich fummele erstmal den Beutel aus dem Hemd heraus, dabei verheddere ich mich in dem gerade erst gekürzten Lederriemen, dann hängt der Beutel quer, ich fummele mit dem Hemdknopf, ich fummele den Kreditkartenschoner heraus, dann hab’ ich die Karte. Ja, ich weiß. Irgendwann werde ich diese Gewohnheit ablegen. Irgendwann.
So, brav linke Hand an rechten Ellenbogen und rüber mit der Karte.
Oh, da ist ja noch was Schönes. Brustbeutel raus, … Karte rüber. Diesmal stecke ich sie aber in die Hemdtasche zurück. Ich bin ja lernfähig. Caching.
Tatsächlich, unwiderstehlich, dieses Stück. Karte… Diesmal kommt ihre Kollegin zurück und meint betrübt, dass mich meine Karte verlassen hätte. Moment, hab ich mich mit den Nullen bei den Bahts vertan? Schreck. Nee, mit den Nullen ist alles in Ordnung. Ein Limit in der Größenordnung eines Mini-Weihnachtseinkaufs… auf meiner Standardkarte, also Hauptkonto der Hauptbank? Nun ja, peinlich ist’s ja, aber als Paranoiker hab’ ich noch eine von der Fraspa dabei. Die tut’s dann wieder. Am Montag gibt’s Haue für meine Hausbank. Ich wusste doch, warum ich den VoIP-Client auf meinem Mac vor Abreise installiert hatte.
Tja, denk ich, was mach ich als nächstes? Am besten ist’s wohl, wenn ich die Stücke erst mal in den Hotelsafe bringe. Dabei kommt mir der Gedanke, dass ich ja mindestens den nächsten Monat auf Tour bin, vielleicht mit Schlafsack im Outback. Da sind Schmuckstücke natürlich geeenauu das Richtige. Depp. Egal. Oder vielleicht erst noch ein bisschen Bummeln, bevor’s zurückgeht? Da reisst mich die freundliche Chinesin aus meinen Gedanken und meint, sie hätte alles für meinen Transport vorbereitet. Vorbereitet?
Ja, sie hat der Security Bescheid gesagt. Die bringen mich die paar km entweder selber zum Hotel oder rufen einen ihnen bekannten Taxifahrer mit irgend so einer Lizenz. Da müsse sein. Dazu käme, dass ausgerechnet heute hier eine Art Feiertag wäre, bei dem fast die ganze Polizei frei hätte (aha?), zwielichtige Gestalten das ausnützten und wegen des Jubiläums sich die Nichtprofis vor dem Gebäude als Opfer ausgekuckt hätten. Also zuerst zurück zum Hotel.

Beute einlagern. Grummel. Wasn dat? Stimmt, immer noch Hunger. Also wieder raus. (to be continued in part 2, oder, warum ein leerer Magen bei bestimmten hochmotivierten Tuk-Tuks ein Vorteil ist…)

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